Stefan Land ist CFO der All for One Steeb AG, die Nummer 1 unter den SAP-Partnern im deutschsprachigen Mittelstandsmarkt. Mehr als 2.000 Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz – vorwiegend aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Automobilzuliefer- und Konsumgüterindustrie – vertrauen auf All for One Steeb.

 

Ute Nonnenmacher: : Wie definieren Sie Vertrauen?

Wie wichtig ist für Sie Vertrauen sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Kontext?

 

Stefan Land: Ja, für mich ist Vertrauen sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Kontext das Fundament für eine gute Beziehung. Ohne dieses Fundament kann man aus meiner Sicht kein privates Glück, aber auch keinen beruflichen Erfolg erreichen. Ohne Vertrauen kann es keine stabile Partnerschaft geben, das heißt, wenn Sie im Geschäftlichen kein Vertrauen haben, dann besteht aus meiner Sicht keine Basis für eine mittel- oder langfristige Zusammenarbeit.

 

Ute Nonnenmacher: : Wie wichtig ist Ihnen persönlich eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihren Investoren? Können Sie uns hier eigene Erfahrungen nennen?

 

Stefan Land: Das ist natürlich bei einem Familienunternehmen etwas anderes, als bei einem börsennotierten Unternehmen wie der All for One Steeb AG. Vertrauensvolle Beziehungen zu den Investoren sind zwar generell wichtig, bei mehreren tausend Investoren, wie in unserem Fall, bestehen dabei jedoch naturgemäß gewisse Grenzen, etwa hinsichtlich der Intensität der Beziehungen. Für ein börsennotiertes Unternehmen ist es nicht machbar, mit jedem Investor Beziehungen in derselben Form zu pflegen, wie wir das mit Großinvestoren anstreben, um zu erfahren, wie diese uns wahrnehmen. Eigene Erfahrungen? Da gibt es zahlreiche. Viele Investoren melden sich, wollen einen persönlichen Termin, rufen oder sprechen mich dazu einfach an, wenn es zum Beispiel um Fragen oder Gerüchte im Markt geht, oder etwa, wenn etwas nicht verstanden wurde, zum Beispiel in Pressemitteilungen. Darin zeigt sich für mich, dass zu vielen Investoren direkte vertrauensvolle Beziehungen bestehen und sie sich mit dem Unternehmen auch auseinandersetzen. Das ist sehr schön und sehr wichtig. Das ist zudem auch eine der Zielsetzungen unserer Investorenarbeit.

 

Ute Nonnenmacher: : Als Vorstand treffen Sie regelmäßig unternehmerische Entscheidungen von großer Tragweite. Wie wichtig ist es Ihnen, dass Ihre Investoren Ihnen hierbei vertrauen?

 

Stefan Land: Ja, das ist mir sehr wichtig. Meine täglichen unternehmerischen Entscheidungen teile ich nicht direkt mit den Investoren. In dem Rahmen, in dem wir hier tätig sind, ginge das nicht. Ich vertraue vielmehr darauf, dass ich in meinen Entscheidungen auch die Interessen der Investoren mit einbeziehe, und daher die richtigen Entscheidungen treffe. Dafür sind wir Vorstände oder wir Führungskräfte im Unternehmen ja auch angestellt worden. Ich treffe im Prinzip meine täglichen Entscheidungen so, als ob ich Investor bzw. Eigentümer des Unternehmens wäre und vertraue dabei auch auf das Know-how, das wir im Unternehmen haben, um so die richtigen, nachhaltigen Entscheidungen aus Investorensicht zu treffen.

 

Ute Nonnenmacher: : Basierend auf welchen Eindrücken bewerten Sie das Ihnen entgegengebrachte Vertrauen?

 

Stefan Land: Das ist natürlich schwer in unserem Umfeld. Wir sehen viele Investoren in aller Regel selten. Wir haben zwar Namensaktien, aber auch da sind oft nur Banken oder Aktiendepot-Institutionen anstelle der eigentlichen Investoren eingetragen. Eine Validierung findet oft nur durch Treffen, persönliche Meetings oder Telefonate statt. Größere Investoren sehen wir natürlich regelmäßig. Dadurch entsteht im Laufe der Zeit eine Basis mit einem viel besseren Detaillierungsgrad.

Nichtsdestotrotz - einige Investoren begleiten uns schon über viele Jahre. Da kann man schon feststellen, anhand ihrer Entscheidungen und ihrer Ansichten über das Unternehmen, dass sich eine gute Vertrauensbasis entwickelt hat. Solche Investoren verabschieden sich nicht gleich wegen Kleinigkeiten oder Gerüchten über das Unternehmen und die handelnden Personen. Dem steht natürlich stets auch entgegen, dass aufgrund der Gesetzgebung, denken Sie nur an das Thema „Insider“, ein gewisses Maß an Informationen überhaupt an die Investoren fließen kann.

 

Ute Nonnenmacher: : Können Sie sich an eine Situation erinnern, bei der Sie den Eindruck hatten, dass ein Investor Ihnen nicht vertraut hat? Wenn Ja: Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Wie haben Sie ggf. reagiert? Wenn Nein: Wie würden Sie in diesem hypothetischen Fall des entgegengebrachten Misstrauens reagieren?

 

Stefan Land: Es gibt natürlich immer wieder Investoren, die zunächst einmal gewisse Fragezeichen hinter unserer Strategie oder hinter unseren Entscheidungen machen. Solche Punkte lassen sich jedoch weitgehend in Gesprächen klären und sind dann ausgeräumt. Ganz speziell erinnere ich mich jedoch an eine Situation vor vielen Jahren in meinem vorherigen Engagement. Hier fühlte sich ein größerer Investor mit der Strategie des Vorstands und damit auch mit meiner Strategie nicht mehr gut aufgehoben. Das Vertrauen war weg, womit wir wieder beim Thema wären. Das musste ich akzeptieren, das konnte ich auch akzeptieren. Die unterschiedlichen Auffassungen haben dann jedoch zum Ende meines Engagements geführt. Auch das passt wieder zu dem eingangs Erwähnten. Wenn Sie keine vertrauensvolle Beziehung zu den wesentlichen Investoren und dem Management der Firma haben, dann führt das früher oder später für eine Seite zum Ende.

 

Ute Nonnenmacher: : Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass Mitarbeiter unternehmerisch denken und agieren? Wie forcieren Sie dieses unternehmerische Gedankengut bei All for One Steeb?

 

Stefan Land: Das halte ich für das Wichtigste. Ein Großteil unseres Erfolges beruht auf diesem Prinzip: Der Mitarbeiter ist Unternehmer im Unternehmen. Wir versuchen das zu fördern, indem wir nur ein Mindestmaß an Leitplanken geben. Warum ein Mindestmaß? Weil wir etwa gesetzlich dazu verpflichtet sind, gewisse Vorkehrungen zu treffen, die dem unternehmerischen Gedankengut auch entgegenstehen können. Hinter Themen wie Compliance-System, Risikomanagement oder auch IKS, zum Beispiel Datenschutzrichtlinien, stehen jedoch fest verankerte Gesetze, die wir natürlich befolgen. Dennoch versuchen wir, nicht über zu reglementieren und die unternehmerischen Entfaltungsmöglichkeiten des Mitarbeiters trotz stark zunehmender Größe unserer Organisation zu erhalten. Mein einfache Botschaft an die Mitarbeitern, die neu bei uns anfangen: Wenn Du Dir nicht ganz sicher bist, welche Option in Deinem Entscheidungsbereich die Bessere ist, dann entscheide so, als ob es Dein eigenes Geld wäre, dann liegst Du meistens richtig und hast im Sinne des Unternehmens gehandelt. Fazit: Der Unternehmer im Unternehmen ist Teil unserer mittelständischen Antworten, um erfolgreich zu sein und ist sicherlich auch ganz wichtig, um die Motivation der Mitarbeiter zu erhalten, die wir brauchen, um unser Geschäft täglich vorwärts zu bringen. Ohne ein solches unternehmerisches Gedankengut könnten wir ein Wachstumsunternehmen wie All for One Steeb nicht weiter ausbauen.

 

Ute Nonnenmacher: : Vielen herzlichen Dank, Herr Land, für das interessante Gespräch!

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