Max H.-H. Schaber, Vorstandsvorsitzender der DATAGROUP, eine der führenden deutschen IT-Dienstleister. Über 1.300 Mitarbeiter an 16 Standorten in Deutschland konzipieren, implementieren und betreiben Business Applikationen und IT-Infrastrukturen.

 

Ute Nonnenmacher: Wie definieren Sie Vertrauen? Wie wichtig ist für Sie Vertrauen sowohl im geschäftlichen, als auch im privaten Kontext? 

 

Max H.-H. Schaber: Vertrauen ist für mich, wenn jemand getätigte Versprechen und Aussagen einhält; wenn ich darauf vertrauen kann, dass das gesprochene Wort dem Sinne nach eingehalten wird. Aus diesem Grund ist Vertrauen für mich sehr wichtig. Auch im privaten Kontext, wenngleich Vertrauen hier viel weiter definiert ist. 

 

Ute Nonnenmacher: Wie wichtig ist Ihnen persönlich eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihren Investoren? Können Sie uns hier persönliche Erfahrungen nennen? 

 

Max H.-H. Schaber: Eine vertrauensvolle Beziehung finde ich sehr wichtig. Diesbezüglich würde ich die uns bekannten Investoren in drei Gruppen unterteilen. Zu einem Drittel dieser Investoren habe ich eine gute, vertrauensvolle Beziehung. Zu einem weiteren Drittel habe ich eine neutrale bis gute Beziehung und zu einem weiteren Drittel habe ich überhaupt keine Beziehung. Kurzum: eine vertrauensvolle Beziehung zu Investoren ist für mich sehr wichtig. Ein Investor kann sogar ein regelmäßiger Sparringspartner sein. 

 

Ute Nonnenmacher: Als Vorstand treffen Sie regelmäßig unternehmerische Entscheidungen von großer Tragweite. Wie wichtig ist es Ihnen, dass Ihre Investoren Ihnen hierbei vertrauen? 

 

Max H.-H. Schaber: Ich höre immer zu, wenn Investoren sich zu geschäftspolitischen Entscheidungen oder zu grundsätzlichen Entwicklungen äußern. Daraus lerne ich viel. Aber nicht immer ist es so, dass Investoren-Empfehlungen von mir umgesetzt werden. Wichtig ist natürlich, dass Investoren Vertrauen in DATAGROUP und mich setzen, sonst gehen sie ja raus aus der Aktie. Und viele Investoren sagen mir, dass die Papierform eines Unternehmens das eine ist, aber dass die persönlichen Kontakte und die Einschätzung des Managements viel wichtiger sind. Wir haben Investoren, die sind schon über viele Jahre bei uns investiert. Das sind dann schon fast familiäre Beziehungen, die über die Zeit hinweg gewachsen sind.

 

Ute Nonnenmacher: Basierend auf welchen Eindrücken bewerten Sie das Ihnen entgegengebrachte Vertrauen? 

 

Max H.-H. Schaber: Zunächst mal ganz einfach: Wie viel hat der jeweilige Investor in unsere Aktie investiert? Und dann spielt definitiv auch die Offenheit und die Fairness der Kommunikation eine wichtige Rolle. Viele Menschen scheuen sich, Kritik zu äußern, weil es immer als unangenehm empfunden wird. Ich empfinde es als extremen Vertrauensbeweis, wenn jemand in der Lage ist, mir gegenüber Kritik zu äußern. Das nehme ich sehr ernst. Umgekehrt ist es aber auch wichtig, dass der Kritiker selbst kritikfähig ist, d.h. mit der Antwort des Kritisierten umgehen kann. Das ist ein Phänomen, das Sie immer wieder in sozialen Einheiten sehen können. Menschen trauen sich dann Kritik zu üben, wenn der Kritisierte nicht da ist. Und deswegen ist es für mich ein großer Vertrauensbeweis, wenn ein Investor sagt: „Das hat mir aber nicht gefallen, was Sie da gemacht haben oder warum haben Sie denn das eigentlich nicht so gemacht?“ Wir hatten zum Beispiel mal einen Investor, der mich im Gespräch auf eine Lösung gebracht hat, die uns ziemlich große Steuer-Ersparnisse gebracht hat. Das finde ich ein vertrauensvolles Verhältnis. 

 

Ute Nonnenmacher: Ist dieser Zusammenhang zwischen Vertrauen und Kritik auch bei  der Beziehung zu Ihren Mitarbeitern gegeben?

 

Max H.-H. Schaber: Ja, das ist natürlich bei Mitarbeitern genau dasselbe. Manche Mitarbeiter haben eine irrationale Angst, dass ihnen etwas passiert, wenn sie Kritik äußern. Dabei ist konstruktive Kritik von Mitarbeitern Gold wert. Denn wenn Sie keine Kritik mehr von ihren Mitarbeitern erfahren, ist es sehr kontraproduktiv. Dann brauchen Sie den Hofnarren, der Ihnen im Nacken sitzt und Ihnen Volkes Meinung sagt. 

 

Ute Nonnenmacher: Können Sie sich an eine Situation erinnern, in der Sie den Eindruck hatten, dass ein Investor Ihnen nicht vertraut? 

 

Max H.-H. Schaber: Ja, ich kann mich sehr gut an solch eine Situation erinnern. Dabei habe ich mich sehr schlecht gefühlt. Ich habe eine Strategie erläutert, worauf der Investor sagte: „Ich glaube nicht, dass das klappt“! Meine Reaktion: Ich habe sachlich argumentiert und bin bei meiner Meinung geblieben. 

 

Ute Nonnenmacher: Und wie war dann die Reaktion dieses Investors? 

 

Max H.-H. Schaber: Er investiert halt nicht mehr. Aber sagen wir mal so: wir haben einen Investor mit 9 prozentigem Anteil. Mit dem habe ich ein extrem gutes, ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. Das drückt sich zum Beispiel so aus, dass er - wenn er andere IT-Investitionen tätigt - mich fragt, was ich davon halte. Oder ich frage ihn: „Wie kann ich denn die Idee XY am besten umsetzen?“ So vertrauensvoll ist unser Verhältnis. 

 

Ute Nonnenmacher: Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass Mitarbeiter unternehmerisch denken und agieren? Wie forcieren Sie dieses unternehmerische Gedankengut in Ihrem Unternehmen? 

 

Max H.-H. Schaber: Ich halte das für sehr wichtig, bin aber so realistisch, dass ich sage: maximal 10 Prozent der Mitarbeiterschaft sind dazu überhaupt gewillt. Man kann das ja nicht verordnen. Ich hatte mal eine ganz interessante Begebenheit. Zwei Geschäftsführer einer Einheit haben sich bei einem Treffen in der folgenden Weise geäußert: „Wenn´s mein Unternehmen wäre, hätte ich so gehandelt“. Daraufhin habe ich gesagt: „Jetzt müsste ich mich eigentlich von Ihnen trennen. Denn wenn Sie als Geschäftsführer nicht so handeln, als ob es Ihr Unternehmen wäre, sind Sie der Falsche“. Ich habe sie natürlich nicht entlassen. Zurück zum Thema: Wir haben kein explizites Programm, um unternehmerisches Denken zu forcieren. Aber unser Leitmotiv ist: Wir denken anders. Wir arbeiten anders. Wir finden bessere Lösungen. Das ist ein Ausdruck unserer Kultur, Dinge bewusst zu hinterfragen und eingefahrene Wege zu verlassen.

 

Ute Nonnenmacher: Vielen Dank, Herr Schaber, für das interessante Gespräch.

www.datagroup.de