Dr. Dirk Schmelzer, Finanzvorstand der TOMORROW FOCUS AG, einer der führenden börsennotierten Internetkonzerne in Deutschland, schildert uns seine Sicht zum Thema Vertrauen.

 

Ute Nonnenmacher: Wie definieren Sie Vertrauen? Wie wichtig ist für Sie Vertrauen sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Kontext?  

 

Dr. Dirk Schmelzer: Vertrauen ist für mich die Grundlage wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Je größer das Vertrauen, umso besser und unkomplizierter kann ich Geschäfte machen und umso wohler fühle ich mich dabei. Volkswirtschaftlich formuliert: Vertrauen senkt die Transaktionskosten. Dennoch ersetzt Vertrauen nicht eine gewisse Sorgfalt. Das gilt sowohl bei der Auswahl von Geschäftspartnern als auch bei der Auswahl der Geschäftsfelder, in denen man tätig ist. Um Vertrauen zu schaffen ist vor allem Transparenz nötig. Das bedeutet nicht nur transparent zu sein, wenn es gut läuft, sondern auch dann wenn es mal nicht so gut läuft.   

 

Ute Nonnenmacher: Wie wichtig ist Ihnen persönlich eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihren Investoren? Welche positiven Nutzen sehen Sie in der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Ihren Investoren? Können Sie uns hier eigene Erfahrungen nennen?  

 

Dr. Dirk Schmelzer:  Eine Investitionsentscheidung sollte man anhand einer sorgfältigen Abwägung grundlegender Faktoren treffen. Dazu gehört natürlich der Blick auf den Markt und die Unternehmenszahlen, aber auch auf das Management eines Unternehmens. In Gesprächen, die ich mit potentiellen Investoren führe ist mir wichtig, niemanden in unseren Wert hineinzudrängen, sondern ein transparentes Bild von der Situation des Unternehmens und von unseren Plänen zu geben. Das wird meiner Erfahrung nach mehr geschätzt als Eigenlob und Euphorie. Die Zusammenarbeit mit unseren bestehenden Investoren erlebe ich als sehr vertrauensvoll, sehr offen und von gegenseitigem Respekt geprägt. Das gilt für unseren Mehrheitsaktionär Burda Digital wie auch für unsere Minderheitsaktionäre. Ich schätze ihren Rat und ihre Kompetenz, auch wenn man als Vorstand eines börsennotierten Unternehmens schlussendlich die Entscheidungen selbst trifft und verantwortet.  

 

Ute Nonnenmacher: Was sind aus Ihrer Sicht Erfolgsfaktoren für den Aufbau vertrauensvoller Investorenbeziehungen?    

 

Dr. Dirk Schmelzer: Vertrauen hat viel mit Wiederholung zu tun, wie wir aus der Spieltheorie wissen. In wiederholten Spielen baut sich Vertrauen dadurch auf, dass das Gegenüber immer das tut, was man von ihm erwartet und je öfter das passiert, desto stärker ist das Vertrauen, dass man in die Person hat. Das gleiche gilt für Unternehmen auch. Je öfter wir die Erwartungen unserer Investoren erfüllen, desto vertrauensvoller wird die Zusammenarbeit. Das gilt sowohl für die Chancen- als auch für die Risikoseite.  

 

Ute Nonnenmacher: Welche Bedeutung hat für Sie das Vertrauen Ihrer Investoren in Situationen, in denen Sie unternehmensrelevante Entscheidungen treffen müssen? Fällt es Ihnen leichter diese zu treffen mit dem Wissen, dass Ihre Investoren Vertrauen in Sie haben?  

 

Dr. Dirk Schmelzer: Ja natürlich. Wie bereits gesagt empfinde ich den Input aus Gesprächen mit Investoren und Analysten als sehr wertvoll und lasse diese Informationen auch in die Entscheidungsfindung einfließen. Am Ende müssen aber meine Vorstandskollegen und ich die Entscheidung treffen, die wir für richtig halten und das nimmt uns auch niemand ab. Ich bekomme durch Investorengespräche den Blick von außen auf unser Unternehmen und die Sicht des Kapitalmarkts und das ist sehr wertvoll. Beispielsweise ist eine Rückmeldung aus Investorengesprächen, dass unser Unternehmen durch die unterschiedlichen Internetgeschäftsmodelle in unserem Portfolio als zu komplex wahrgenommen wird. Darauf haben wir reagiert, indem wir 2014 unsere Konzernsegmentierung geändert und damit die Transparenz erhöht haben.  

 

Ute Nonnenmacher: Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass Mitarbeiter unternehmerisch denken und agieren? Wie forcieren Sie dieses unternehmerische Gedankengut in Ihrem Unternehmen?  

 

Dr. Dirk Schmelzer: Ich glaube dass man immer so führt, wie man selbst geführt werden möchte. Ich bin jemand, der Freiheit und Flexibilität braucht und die gewähre ich auch meinen Mitarbeitern. Das heißt konkret eine stark ergebnisorientierte Führungsweise und Subsidiarität. Ich versuche alles, was von Mitarbeitern entschieden werden kann, auch Mitarbeiter entscheiden zu lassen. Wir pflegen ‚Intrapreneurship‘ im besten Wortsinn, also das Unternehmertum innerhalb des Unternehmens, auf allen Ebenen innerhalb der TOMORROW FOCUS Gruppe. Wir haben nicht nur sehr starke Geschäftsführer in unseren Tochterunternehmen, die eine klare Vorstellung von der Entwicklung ihrer Unternehmen haben und denen wir die größtmögliche Freiheit lassen diese umzusetzen, wir fördern auch die Ideen und das Engagement unserer Mitarbeiter. Beispielsweise haben wir einer Gruppe von Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, eine von ihnen selbstentwickelte Geschäftsidee in einem eigenen Start-up weiterzuverfolgen, dem Online-Service für intelligente Dokumentenablage organize.me. Wir suchen für unser Unternehmen Menschen, die Spaß daran haben, selbständig zu sein. 

 

Ute Nonnenmacher: Vielen Dank, Herr Dr. Schmelzer, für das interessante Gespräch.

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