Jens Wilhelm – Vorstand und CIO der Union Investment Asset Management Holding AG

Union Investment ist eine der größten Fondsgesellschaften in Deutschland. Sie  blickt auf eine rund 60-jährige Firmengeschichte zurück – mit ebenso langer Erfahrung an den Kapitalmärkten dieser Welt. Auf dieses Know-how vertrauen über 4 Millionen Kunden.

Die Union Investment ist strategischer Partner beim Forschungsprojekt "vertrauensvolle Investorenbeziehungen" des Investment Lab.

 

Ute Nonnenmacher: Wie definieren Sie Vertrauen im Allgemeinen? Wie wichtig ist für Sie – sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Kontext – dass man Ihnen vertraut?

 

Jens Wilhelm: Vertrauen ist gerade im Finanzbereich essenziell. Denn für die meisten Menschen sind gerade die Produkte der Geldanlage ein sehr abstraktes Thema. Deshalb lautet die Mission von Union Investment folgerichtig auch: „Wir vermehren das Vermögen der Anleger und verdienen uns so ihr Vertrauen.“ 

Ohne Vertrauen funktioniert letztlich unser gemeinschaftliches Leben nicht. Wenn jeder vor lauter Skepsis den Geschäftspartner grundsätzlich überprüfen würde oder gar versuchte, ihn zu kontrollieren, dann wäre das ein sehr kostenintensives Prozedere und würde den gesamten Wirtschaftskreislauf extrem lähmen. Insofern ist Vertrauen im geschäftlichen Umfeld und gerade bei Finanzthemen ganz entscheidend. Wie hat mal jemand so schön gesagt: „Vertrauen schenken ist eine unerschöpfliche Kapitalanlage.“

 

Ute Nonnenmacher: Welche Konsequenzen hätte es für Sie, rein persönlich, wenn Sie mangelndes Vertrauen spüren bzw. erleben? Basierend auf welchen Eindrücken bewerten Sie das Ihnen entgegengebrachte Vertrauen?

 

Jens Wilhelm: Ich würde erst einmal analysieren, warum es meinem Gegenüber an Vertrauen mangelt. Ist es in seiner Person begründet, beispielsweise in dem mehr oder weniger bewusste Ängste in ihm existieren? Dazu kommt natürlich die Selbstreflexion: Hat eine Handlung von mir dieses Misstrauen ausgelöst? Da hilft nur eine offene Kommunikation. Ansonsten würde es auf privater Ebene bei einer flüchtigen Begegnung bleiben. 

Auf geschäftlicher Ebene ist die persönliche Beziehung natürlich ebenfalls wichtig. Hier spielen aber letztlich noch weitere Aspekte eine Rolle, ob man ins Geschäft kommt oder nicht. Dabei ist die Marke des Unternehmens von großem Wert, denn wenn sie positiv besetzt ist durch viele Erfahrungen, die andere als Kunden oder Geschäftspartner gemacht haben, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Geschäftsbeziehung kommt. Bei einem Vermögensverwalter wie Union Investment kommt es letztlich darauf an, dass die Performance der Produkte auf Grundlage eines professionellen Investmentprozesses stimmt. Ergänzt wird dies durch einen hochwertigen und umfassenden Service. Wir haben uns im Privatkundengeschäft bereits vor fast zehn Jahren vom klassischen Produktvertrieb zum Lösungsanbieter gewandelt. D.h. wir bieten Lösungen für die Probleme unserer Kunden, beispielsweise wie man Vermögen aufbaut, es strukturiert oder wie man das Thema Altersvorsorge angeht. Unseren institutionellen Kunden wiederum bieten wir Investmentlösungen, damit sie auch im Niedrigzinsumfeld noch die Renditen erwirtschaften, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können. Außerdem unterstützen wir sie bei der Umsetzung von Regulierungsthemen. 

 

Ute Nonnenmacher: Als Union Investment sind Sie Mittler zwischen vielen Investoren und Unternehmen. Wie wichtig ist es Ihnen, dass Ihre Investoren Ihnen hierbei vertrauen?

 

Jens Wilhelm: Das ist sehr wichtig, denn wir haben einen fiduziarischen Auftrag und handeln nicht für uns selber, sondern verwalten Gelder treuhänderisch für unsere Kunden. Wir verstehen uns als Mittler zwischen Investoreninteressen und den Unternehmen, denn wir haben den Auftrag, das Geldvermögen, dass die Investoren uns geben, zu vermehren, und dies tun wir auf eine verantwortungsvolle Weise. So ist Union Investment der führende Fondsanbieter für nachhaltige Geldanlagen. Hier betreuen wir ein Volumen von rund 10 Mrd. Euro. Gerade bei institutionellen Kunden hat sich ein neues Verständnis etabliert, dass neben ethischen Aspekten Megatrends wie Demografie, Klimawandel und die Globalisierung im Risikomanagement und bei Anlageentscheidungen umfasst. Mit unseren Leitlinien für verantwortungsvolles Investieren entsprechen wir den Bedürfnissen unserer Kunden und bilden damit weiteres Vertrauen. 

 

Ute Nonnenmacher: Fokussieren wir uns auf die Interaktion mit Ihnen und den Unternehmen, in die Sie investieren. Für wie wichtig erachten Sie es, dass zwischen einem institutionellen Investor und dem Vorstand eines Unternehmens ein vertrauensvolles Verhältnis besteht? Wie drückt sich dieses Investorenvertrauen aus Ihrer Sicht aus?

 

Jens Wilhelm: Das Thema hat zwei Seiten. Zum einen geht es um die Vertrauensbasis mit der Führung des Unternehmens, in das wir investieren. Mit ihr führen wir einen beständigen Dialog. Wir begleiten so Unternehmen zum Teil über viele Jahre und sagen dabei klar, wo wir positive Entwicklungen sehen, jedoch äußern wir uns auch deutlich kritisch, wenn uns bestimmte Entwicklungen nicht gefallen. Im Jahr führen wir so rund 4.000 Hintergrundgespräche. Es geht also um Corporate Governance, um gute Unternehmensführung. Denn gut geführte Unternehmen erwirtschaften langfristig auch immer eine höhere Rendite. Zum anderen sind wir mit diesen Aktivitäten wiederum unseren Investoren Rechenschaft schuldig. So veröffentlichen wir regelmäßig unser Abstimmungsverhalten. In der Regel treten wir im Jahr auf rund ein Dutzend Aktionärsversammlungen von DAX-Konzernen auf. Wir haben mit unserer Proxy-Voting-Policy eine detaillierte Leitlinie für uns Abstimmungsverhalten. Aus ihr wird ersichtlich, weshalb wir manchmal gegen bestimmte Anträge eines Vorstands votieren oder ihn z.B. nicht entlasten. Dies ist dann für alle Beteiligten nachvollziehbar. Durch diese Transparenz schaffen wir Vertrauen und Verlässlichkeit bei den Unternehmen, in die wir investieren sowie bei unseren Kunden. Dies ist ein Teil unseres Verständnisses, aktiver Vermögensmanager zu sein. Wir sind überzeugt davon, dass die Bedeutung des aktiven Wahrnehmens von Stimmrechten im Investorendialog noch weiter zunehmen wird.

 

Ute Nonnenmacher: Die Union Investment ist geprägt durch eine wertorientierte, langfristig orientierte Unternehmensphilosophie. Welche Bedeutung spielt für Sie hierbei das Thema „Unternehmertum“? Welcher Zusammenhang besteht Ihrer Meinung nach zwischen dem „klassischen Unternehmertum“ und „Vertrauen“?

 

Jens Wilhelm: Das klassische Unternehmertum und die Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns sind spätestens seit Beginn der Finanzkrise wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt und erhalten wieder den Stellenwert, der ihnen zukommt. Deshalb sind die genossenschaftlichen Finanzinstitute auch die eigentlichen Gewinner der Vertrauenskrise in den Finanzdienstleistungssektor. Genossenschaftliche Werte wie Verlässlichkeit, Beständigkeit und Bodenständigkeit, die vor zehn Jahren fast schon als veraltet und verstaubt galten, sind heute moderner denn je. Denn das genossenschaftliche Prinzip „Was einer nicht schafft, das schaffen viele“, hat dazu geführt, dass die genossenschaftlichen Banken in Deutschland als einzige Säule im Bankensektor keinerlei staatliche Unterstützung benötigt haben. Ein besonderes Vertrauensverhältnis ergibt sich sicherlich auch dadurch, dass viele Kunden von genossenschaftlichen Banken zugleich deren Eigentümer sind. Union Investment als Teil der genossenschaftlichen FinanzGruppe führt im Markenkern nicht von ungefähr die Attribute „partnerschaftlich, professionell und solide“. Der Erfolg zeigt, dass unsere Kunden uns mit diesen Werten auch tatsächlich verbinden.

 

Ute Nonnenmacher: Vielen Dank, Herr Wilhelm, für das interessante Gespräch.

www.union-investment.de